DIE SCHWARZE LOLA

Kapitel 1

Alles begann mit einer Mutprobe.

In der vierten Klasse dieser Schule in Landskron gab es einmal eine Gang. Tom Gaylord war der Anführer, vielleicht deswegen, weil er schon 18 war und mit dem eigenen Auto in die Schule kam. Dieser Tom Gaylord war groß, sportlich, muskulös, aber Fußball hasste er. Am liebsten war er im Feuerwehrhaus. Sein ganzes Leben drehte sich um die Feuerwehr und um Frauen; auch für seine Zukunft wünschte er sich vor allem das. Er schaute sich gerne Fifty Shades of Grey an und so ähnliche Videos im Netz. Lesen, das mochte er auch, vor allem Boy2Girl und den Playboy.

Tom Gaylord glaubte an sich selbst: Er ging zwar mit 18 immer noch in die vierte Klasse NMS, war aber abenteuerlustig und manchmal ein Rowdy. Oft dachte er an erotische Sachen und fragte sich, ob das perverse Neigungen waren. Pizza und Cola mochte er sehr sowie Tiger und Österreich. „Ach wie gut, dass niemand weiß!“, war sein absoluter Lieblingsspruch. Doch die Sprüche wie „In fremde Gärten scheißt man nicht“ oder „Arbeit macht frei“ hasste er.

In der Gang war noch Felix, der schon mit 14 ein absolutes IT-Genie war. Felix hatte eine technische Begabung, er konnte Computer bauen und kannte sich im Internet bestens aus.

Zur Gang gehörte auch Nadine, die Deutsche. Sie war 14, blond, sehr sportlich gestylt, eine Leistungssportlerin, Schwimmerin, – und ziemlich eigensinnig. „No risk, no fun!“, das war eindeutig Nadines Motto.

Chiara und Justin waren auch in der Gang. Sie war 16, er 15; die beiden waren zusammen. Ein sehr auffälliges Paar: Sie, eine Italienerin mit eigenwilligem Style – Side Cut und sehr lange dunkle Haare, Piercings, Tattoo, High Heels, freizügig gekleidet, Leopardenmusterkleider oder pink! – und Justin, den kannte in der Schule jeder, weil er ein Afroamerikaner oder Afroeuropäer oder, wie alle sagten, ein Schwarzer war.

Justin war groß, stark, sportlich, er glaubte an Gott und stand auf Fußball und mochte Steaks und Wassermelone und Kalifornien. Und er liebte Chiara.

Chiara kam aus Mailand und sagte, ihre Muttersprache wäre Mailändisch. Sie stand auf Schminken und Shoppen, war am liebsten beim Friseur und im Nagelstudio und bewunderte Nicki Minaj. Chiara glaubte vor allem an ihre Schönheit. Sie glaubte aber auch an Sternzeichen, denn sie war vom Sternzeichen Jungfrau und glaubte, dass sie deswegen für immer jung bleiben würde.

Sie wollte Modell werden, aß nur Veganes, Fitnesssalat und trank Smoothies, denn eine Modellkarriere und Geld, darin bestand ihr Zukunftstraum. Vielleicht hasste sie es deshalb so, wenn man ihr sagte: „Du bist nicht so schön, wie du denkst!“ Chiaras Spruch war der: „Keep calm and go shopping.” Chiara war eingebildet und verlogen und hinterhältig und künstlich und dumm war sie auch. Trotzdem, dem David gefiel sie sehr.

David war 15, muskulös, hatte lange Haare, war gut gestylt. Er war ein mutiger Typ und traute sich mehr als andere. Am liebsten war er in der Eishalle, den KAC mochte er aber nicht. Die Transformers 1-5 schaute er sich gerne an, auch The Big Bang Theory. „Just for fun“, das war Davids Motto.

David wollte unbedingt in Tom Gaylords Gang sein, aber nur wegen Chiara. Doch in die Gang kam man nur durch eine Mutprobe. Deswegen standen sie alle in jener Nacht vor der Schule.

„Der traut sich nicht“, sagte Chiara. Ausgerechnet sie!

Felix, das IT-Genie, Nadine, die Profischwimmerin, das verliebte Paar Chiara und Justin und natürlich Tom Gaylord, sie alle schauten David an.

Es war bald Mitternacht. David wollte diese Mutprobe bald hinter sich bringen. Er musste auch an seine Eltern denken, die Alkoholiker waren, an sein Leben im Kinderheim in Treffen, an seinen Bruder, der auch im Heim war. Keine Frage, er war mutig, mutiger als viele andere. Und weil er ein Eishockeyspieler war, konnte er schon auch ein Schläger sein, wenn es drauf ankam. Trotzdem dachte David: „Du willst doch einmal Eishockeyweltmeister werden und jetzt wirst du zum Einbrecher. Doch was bleibt dir übrig? Du willst ja unbedingt in diese Gang!“

Es war kalt, keiner sagte etwas. Sie überlegten es sich noch einmal: Sollten sie wirklich in die Schule einbrechen? Sie atmeten tief ein und aus, und machten dann doch den einen Schritt nach vorne und schluckten ihre Angst hinunter.

Es war kurz nach Mitternacht. Und es war Chiara, die einen großen Stein in die Hand nahm. Sie hob die Hand, zielte, warf den Stein gegen das Fenster. Es klirrte und sie rief: „1:0 für mich, dem blöden Fenster habe ich es aber gezeigt!“

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